Schwammstadt: Geht das auch in Frankfurt?

Aber natürlich! Sogar im Wortsinn. Die Umsetzung der Idee der Schwammstadt ist ein geeignetes Mittel, um Wasser, das sonst in der Kanalisation landen würde, wieder dem Boden zurück zu geben. Das verhindert Austrocknung von Stadtböden, nützt den Stadtbäumen, die weniger gewässert werden müssen, nützt durch Verdunstung dem Stadtklima und sorgt im besten Falle für eine Regeneration des Grundwasserspiegels.

Etwas Geschichte vorweg: die alten Römer und so

Die Kanalisation wurde einst aus hygienischen Gründen erfunden. Abwasser in Städten und Siedlungen landete früher in der Gosse, was nichts anderes war als ein Rinnstein – oftmals jedoch nicht mal das. Früher war es normal bei Regen im Morast der Wege zu gehen oder bei Trockenheit den Staub der Straße einzuatmen. Und der Morast bestand im Wesentlichen aus Urin und Fäkalien von Tieren (Pferden) und Menschen sowie Küchenresten usf. Die Menschen kippten alles Mögliche auf die Straße. Krankheiten breiteten sich aus, es stank. Wer es sich leisten konnte, fuhr mit der Kutsche, um nicht zu Fuß zu gehen.

Und so war die Erfindung der Kanalisation ein großer Fortschritt.

Leider ist es so, dass heute alles Wasser, welches in Siedlungen anfällt, in die Kanalisation abgeleitet wird. Abwässer und Niederschlag. Warum taten die Menschen das? Durch immer stärkere Flächenversiegelung fiel immer mehr Regenwasser an, dass nicht abgeleitet werden konnte. Die Kanalisation wurde vergrößert, mehr Flächen wurden versiegelt usf. Eine Teufelskreis. Inzwischen ist es so, dass im Regelfall Schmutz- und Regenwasser getrennte Kanalisationen haben. Jedoch wird das Regenwasser ebenfalls abgeführt und landet in der Regel in benachbarten Gewässern. Die Frage ist natürlich: Ist das überhaupt notwendig?

Die Geburt der Schwammstadt

Die Antwort ist natürlich: Nein.

Es ist vollkommen klar, dass verschmutzte Abwässer in Kläranlagen gehören, wenn sie nicht auf natürlichem Wege gereinigt werden können. Aber das Regenwasser ist vor allem in dicht besiedelten Städten eine Ressource, die eigentlich nicht verschwendet werden sollte.

Während also das Regenwasser abgeführt wird, werden an heißen und trockenen Tagen in Städten teilweise Grünanlagen und Stadtbäume bewässert. Und hier setzt die Idee der Schwammstadt an.

Im Grunde kann man die Idee der Schwammstadt so zusammenfassen: Das Regenwasser wird nicht über die Kanalisation abgeleitet, sondern in den Stadtboden entwässert, der das Wasser wie ein Schwamm aufsaugt und bei Bedarf verzögert wieder abgibt. Bäume und Stadtvegetation können dieses Wasser aufnehmen und verdunsten. Dadurch wird die Stadt gekühlt. Zur Schwammstadt gehören also Maßnahmen wie

  • Begrünte Dächer und Fassaden
  • Entsiegelte Flächen
  • Versickerungsflächen
  • Gräben

Neu ist, dass Flächen nicht nur entsiegelt werden, sondern Versickerungskörper – sog. Rigolen – eingebaut werden. Diese kann man sich wie Kiesblasen im Boden vorstellen, die Wasser zwischenspeichern können. Das Regenwasser wird also nicht mehr in die Kanalisation abgeleitet, sondern bleibt größtenteils in der Stadt und Siedlungsfläche.

Was muss geschehen?

Handeln auf vielen Ebenen ist nötig. Aber schwer ist es nicht. Das zeigen aktuelle Beispiele wie in der Bundeshauptstadt Berlin.

  • Es sollten gezielt Anreize geschaffen werden, dass private Flächen gar nicht versiegelt werden. Und da wo bereits versiegelt worden ist, die Entsiegelung vorantreiben.
  • Bei der Stadtplanung sollte darauf geachtet werden, dass so wenig Flächen wie möglich versiegelt werden und der Untergrund so beschaffen ist, dass er Wasser aufnehmen kann.
  • Öffentliche Flächen sollten entsiegelt werden. Jeder Quadratmeter hilft.
  • Neubauprojekte müssen immer mit dem Ziel der Schwammstadt einen Schritt näher zu kommen geplant und umgesetzt werden.
  • Auch kleine Flächen für mehr Grün nutzen. Natürlich unversiegelt.

Ingmar von Franqué, GRÜNE Bornheim-Ostend

Quelle: https://www.klimawandelanpassung.at/newsletter/kwa-nl42/kwa-schwammstadtprinzip

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